Akzeptiere Deine Fähigkeiten

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„Wenn Du etwas wirklich willst und dafür arbeitest, kannst Du alles erreichen.“ – Dieses Mantra wird von vielen Selbsthilfe-Gurus, Ratgebern und Motivations-Coaches gerne und oft verwendet. Die Aussage: Nichts ist unmöglich, alle Wege und Optionen stehen Dir offen. Das klingt toll – und ist falsch. Denn anders als in Filmen und Märchen gibt es in der Praxis einen Faktor, der Dir Grenzen setzt: Deine Fähigkeiten.

Das klingt vielleicht negativ, ist jedoch gar nicht so gemeint. Denn die Grenzen, die Dir durch Deine Fähigkeiten gesetzt werden, sind gleichzeitig Deine besten Chancen auf einen erfüllenden und erfolgreichen Weg oder – wie ich es nennen – eine gelingende Lebenskarriere. Es gibt nur ein Problem: Deine Fähigkeiten müssen nicht mit Deinen Wünschen und träumen zusammenpassen.

Lerne Deine Fähigkeiten kennen, akzeptiere sie und entwickle sie dann. So findest Du den Weg zu Deiner Lebenskarriere.

Lerne Deine Fähigkeiten kennen

Im Coaching stelle ich fast immer die Frage nach den individuellen Fähigkeiten des Coachees – und erhalte erstaunliche Antworten. Selbst wenn die Coachees die Ergebnisse verschiedener Test kennen und ich ihnen meinen Eindruck aus mehreren Gesprächen reflektiert habe, beharren viele darauf, bestimmte Fähigkeiten zu besitzen. Die Ergebnisse und mein Eindruck sprechen nur leider eine ganz andere Sprache.

Dazu ein praktisches Beispiel aus dem Coaching, das ich anonymisiert – und nach Rücksprache und Genehmigung durch der Coachee – zur Verdeutlichung bringen darf:

Sarah W. versucht seit Jahren, in einen sozialen Beruf einzusteigen. Ursprünglich hat sie zwar Bankkauffrau gelernt, doch es fehlt ihr einfach der Sinn in diesem Job, hier findet sie keine Erfüllung. Menschen helfen, das wär’s. So zumindest ihr Motto.

Also ist sie seit Jahren ehrenamtlich in sozialen Einrichtungen aktiv und versucht immer wieder, sich auch beruflich in diese Richtung zu verändern. Doch alle Ausbildungsträger und Einrichtungen haben sie bisher abgelehnt. Die etwas unklare Begründung: Sie passe einfach nicht in dieses Arbeitsfeld.

Das scheint sich auch im Ehrenamt zu betätigen, denn in keiner Aufgabe hält Sarah W. es länger als drei Monate aus. Dann wechselt sie die Einrichtung.

Sarah W. kam mit einer klaren Aufgabenstellung zu mir: Durch das Coaching den (beruflichen) Weg in den Sozialbereich zu finden. Ein Anliegen, das ich nach einige Coaching-Sitzungen klar widersprechen musste. Denn was de Ausbildungsträger und Einrichtungen ihr nicht direkt gesagt hatten, zeigte sich im Coaching: Sarah W. fehlen einfach einige grundlegende Fähigkeiten, um in diesem Bereich sinnvoll arbeiten zu können:

  • Sie ist zwar empathisch, wird im direkten Gespräch jedoch schnell ungeduldig.
  • Sie kann sich zwar abgrenzen und Probleme nicht zu nah an sich heranlassen, tut sich gleichzeitig jedoch schwer damit, eine echte Beziehung zu Menschen im beruflichen Kontext aufzubauen.
  • Sie verfügt zwar über Menschenkenntnis und kann diese für Beurteilungen und Einschätzung nutzen, kann Ihre Erkenntnisse jedoch nicht diplomatisch vermitteln.
  • Sie erkennt Probleme zwar schnell und kann Lösungen auf Einrichtungsebene entwickeln, tut sich mit individuellen, alltagstauglichen Ansätzen jedoch schwer.

Es hat eine Weile gedauert, bis Sarah W. bereit war, ihre Fähigkeiten realistisch zu sehen. Diese dann auch noch zu akzeptieren war mit viel Frustration und Widerstand verbunden.

Akzeptiere Deine Fähigkeiten

Nach diesem durchaus schmerzhaften Prozess steht eine Frage: Wie geht es weiter? Die Frage ist verständlich, denn die Akzeptanz der eigenen Fähigkeiten ist – nicht nur für Sarah W. – der erste, jedoch ganz sicher nicht der letzte Schritt zur Veränderung.

Das bisher verfolgte Ziel ist durch eine realistische Betrachtung der eigenen Fähigkeiten oft hinfällig. Sarah W. ist beispielsweise klar, dass ein Beruf im Sozialbereich für sie nicht in Frage kommt. Eine solch absolute Abwendung von den bisherigen Zielen ist eine völlig normale – teilweise auch der Enttäuschung geschuldete – Reaktion. Doch sie muss nicht richtig sein, wie das Beispiel von Sarah W. zeigt:

Nachdem Sarah W. ihre Fähigkeiten erkannt und akzeptiert hat, sucht sie nach einer neuen Richtung. Doch statt sich komplett vom Sozialbereich abzuwenden, tut sich im Coaching eine unerwartete Richtung auf. Nach einiger Recherche und zahlreichen Bewerbungen arbeitet Sarah W. heute bei einem Träger sozialer Einrichtungen. Dort koordiniert und verantwortet sie nicht nur die Finanzen, sondern ist auch entscheidend an der Unternehmensentwicklung beteiligt.

Nach einem längeren Coachingprozess hat Sarah W. also einen Weg gefunden, ihrem ursprünglichen Ziel mit ihren Fähigkeiten nahe zu kommen. Das ist zwar nicht immer möglich, jedoch zumindest einen Versuch wert.

Wenn Du Deine Fähigkeiten erkennst, akzeptierst und verfolgst, wirst Du Wege und Optionen finden, die Du realistisch gehen kannst. Diese werden deshalb nicht einfach sein. Nur weil Du Deine Fähigkeiten akzeptierst, entwickeln diese sich nicht von selbst. Dafür musst Du Zeit, Energie und viel Arbeit investieren. Doch wenn Du das tust, tun sich Dir Wege zu einer gelingenden Lebenskarriere auf.

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