Bist du zufrieden?

Zufriedenheit
„Bist du zufrieden?“ – Wenn ich diese Frage in Gesprächen stelle, ernte ich oft irritierte Blicke und Kopfschütteln. Viele Menschen antworten dann: „Natürlich“. Doch ihr Blick spricht eine andere Sprache.

Die Frage nach der Zufriedenheit wird meiner Erfahrung nach kaum noch gestellt. Das liegt meines Erachtens nach an zwei Faktoren:

  1. Zufriedenheit ist teilweise verpönt. In einer auf Leistung ausgerichteten Arbeitswelt und Gesellschaft kann Zufriedenheit schnell als Faulheit, Trägheit und Problem ausgelegt werden. Wer zufrieden ist, so das Vorurteil, will nichts mehr leisten, engagiert sich nicht. Ist zwar Quatsch, doch die Wahrnehmung gibt es leider.
  2. Die scheinbar unschuldige Frage: „Bist du zufrieden?“ kann Menschen mit einer unbequemen Wahrheit konfrontieren: So mancher weiß gar nicht, was er oder sie im Leben will. Folglich kann die Frage nach der Zufriedenheit auch nicht klar und befriedigend beantwortet werden. Diese Erkenntnis zwingt zur Selbstreflexion. Und die kann unangenehm sein.

Aus meiner Sicht und Erfahrung ist es Quatsch, Zufriedenheit mit Trägheit gleichzusetzen. Zufriedene Menschen hören nicht auf, sich zu entwicklen oder zu arbeiten. Doch sie tun es mit einer gewissen Ruhe und Ausgeglichenheit. Sie kennen ihre Prioritäten und schützen diese. Und das ist gut.

Was macht dich zufrieden?

Um die Eingangsfrage ehrlich beantworten zu können, musst du zunächst wissen, was dich zufrieden macht. Das ist nicht immer einfach.

Eine Frage, die dich in die richtige Richtung führen kann, lautet schlicht: Was macht dich glücklich? Und ergänzend: Wann fühlst du dich gut, was macht dir Freude?

Beide reichen nicht aus, geben aber einen ersten Ansatz. Ob du zufrieden bist, erkennst du an einem Gefühl. Thorsten beschreibt es in seinem Artikel, der für mich auch Impuls für den heutigen Beitrag ist:

Ich bin gesättigt. Ich genieße dieses Gefühl, die Zufriedenheit, keine Neuigkeiten mehr zu jagen, sondern das zu genießen, was ich besitze. Neuigkeiten, die dazukommen, sind willkommen, aber die aktive Jagd nach dem „ultimativen Neuzugang“, das ist wohl erst einmal vorbei.

Meine Bitte: Stelle dir ganz bewusst – und immer wieder – die Frage, ob du zufrieden bist. Und egal wie deine Antwort lautet, mach dir bitte klar, warum sie so ausfällt.

Du bist nicht zufrieden? Woran liegt es, was fehlt dir? Fehlt dir wirklich etwas wichtiges oder sind es nur unwichtige Dinge, die noch nicht passen?

Du bist zufrieden? Was genau macht dich zufrieden, wofür bist du dankbar?

Ich weiß, dass Zufriedenheit nicht unbedingt von Dauer ist. Doch allein die bewusste Beschäftigung damit führt oft dazu, dass dir klar wird, was für dich zählt. Und wer weiß, vielleicht bist du ja doch zufrieden, wenn du dich umschaust?

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