Gehdanken 89: Vom Umgang mit Zielen

Gehdanken 89: Vom Umgang mit ZielenZiele sind wichtig, dienen der Orientierung und helfen Dir dabei, Deinen Weg zu sehen und weiter zu gehen. So weit, so gut. Doch Ziele können auch zum Problem werden, wenn Du zu hartnäckig an ihnen fest hälst, Dich in manche Wege verrennst und neue Chancen und Wege deshalb nicht mehr siehst. Aus meiner Sicht und Erfahrung ist es daher wichtig, sich nicht nur Ziele zu setzen, sondern diese auch regelmäßig zu reflektieren, ihren Sinn und Wert zu überprüfen und sich schlussendlich zu fragen, ob die Ziele noch zu Dir passen. Denn eines sollte klar sein:

Deine Ziele sollen Dir dienen und Dich voranbringen. Sie dürfen Dich jedoch nicht ausbremsen oder in falsche Bahnen zwängen.

Kommen Deine Ziele wirklich von Dir?

Oft, viel zu oft, stelle ich im Coaching nach eingehender Analyse mit meinen Coachees fest, dass die scheinbar so wichtigen Ziele gar nicht von ihnen selbst stammen. Viele Erwartungen von Freunden, Familie, Lebenspartner, Chef und anderen Seiten und Personen kulminieren in Zielen, die meine Coachees für sich übernehmen und teilweise jahrelang verfolgen.

Das Problem: Die Ziele halten einer ernsthaften Reflexion nicht stand, sind im Grunde für die jeweilige Person gar nicht so wichtig und stehen oft sogar eigenen, wirklich wichtigen Zielen im Weg. Immer wieder höre ich dann die Frage: „Wenn die Ziele mir gar nicht wichtig sind, warum habe ich sie dann so lange verfolgt?“

Die Antwort ist so einfach, jedoch alles andere als angenehm: Weil es erstens sehr schmerzhaft ist, sich einzugestehen, dass die eigenen Ziele gar nicht die eigenen sind. Und weil ein Abwenden von den Zielen zweitens oft mir sehr viel Widerstand, Unverständnis und weiteren, nicht immer schönen Reaktionen aus dem Umfeld verbunden wäre.

Das klingt vielleicht übertrieben, doch aus dem Coaching und meiner eigenen Erfahrung weiß ich, dass auf solche Zieländerungen oft seltsame und schmerzhafte Reaktionen kommen. Dazu gehören…

  • … der Vorwurf des Verrats im Stile von: „Wir haben so viel für Dich getan. Das wirfst Du jetzt alles hin?“
  • enorme Enttäuschung, aus der ein persönlicher Vorwurf erwächst.
  • Ablehnung, Beschimpfungen und Angriffe.
  • Irritation und viele, oft schwer zu beantwortende Fragen.

Zielveränderung als Bedrohung

Angriffe und Beschimpfungen haben ihre Wurzeln dabei nicht nur in Enttäuschung, sondern oft auch in Neid und Unsicherheit. Nicht wenige Menschen spüren unbewusst, dass ihre Ziele nicht 100-prozentig zu ihnen passen, wollen die nötige Veränderung aber nicht angehen.

Wenn Du das jedoch wagst und Dich auf diesen Weg machst, zeigst Du ihnen damit, dass eine Veränderung der Ziele möglich ist. Damit stellst Du ihren Glaubenssatz, dass es ohnehin keine Alternative gäbe, nicht nur infrage, Du demonstrierst ihnen, dass sie damit falsch liegen. Dann müssen sie sich der Tatsache stellen, dass sie im Grund Angst vor der Veränderung haben und diese deshalb nicht angehen. Doch statt sich dieser Erkenntnis zu stellen ist es viel einfacher, Dich zu attackieren und negativ zu beeinflussen.

Das ist in 99,9 Prozent keine böse Absicht, sondern lediglich eine Schutzreaktion, mit der diese Menschen ihr Weltbild und ihre selbst gestrickten Ausreden vor schützen und sich damit in Sicherheit wiegen wollen.

Nimm Angriffe und Beschimpfungen bei einer Zielveränderung – so schwer es auch fällt – nicht persönlich. Du bist nicht das Ziel, lediglich der Blitzableiter.

Reflektiere Deine Ziele

Trotz dieser möglichen – ja sogar wahrscheinlichen – negativen Konsequenzen solltest Du Deine Ziele immer wieder ernsthaft reflektieren und hinterfragen. So schmerzhaft eine nötige Veränderung auch sein mag: Es ist noch viel schmerzhafter und enttäuschender, wenn Du nach Jahren und Monaten merkst, dass Du falschen Zielen gefolgt bist und viele Energie und Zeit verschwendet hast.

Sicher, völlig verschwendet ist die Zeit nie – Du hast Dich auf dem Weg garantiert weiterentwickelt und bist gewachsen – doch es kann eine bittere Erkenntnis sein, dass Du lange in der für Dich falschen Richtung unterwegs warst. Einige Tipps zur Zielreflexion und weitere Gedanken zum richtigen Umgang mit Zielen findest Du in den folgenden Gehdanken 89. Du kannst sie auch, jedoch nicht nur, auf Deine beruflichen Ziele anwenden.

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