Gehdanken 90: Warte nicht auf den perfekten Moment

Warte nicht auf den perfekten Moment
„Ich fange an, wenn…“ diesen Satz kannst Du beliebig weiterführen. Beliebte Fortsetzungen sind beispielsweise „… ich weniger Stress habe“ oder „… es etwas ruhiger wird“ oder „… ich mental soweit bin“. Alle diese Sätze klingen sinnvoll, sind es aber nicht. Sie alle sind nur andere Formulierungen für die gleiche Aussage: „Ich warte auf den perfekten Moment.“ Doch der wird nie kommen.

Okay, das ist jetzt keine Neuigkeit, den perfekten Moment kann es nicht geben, irgendwas ist immer, wie es so schön heißt. Dennoch warten viele Menschen – ich schließe mich da nicht aus – auf den perfekten Moment. Und zwar immer wieder.

Du nicht? Ganz sicher? Da erlaube ich mir zu widersprechen. Bei jedem gibt es Entscheidungen und Projekte, die einige Zeit auf der Liste stehen, längst im Gange sein sollten oder rein objektiv betrachtet problemlos beginnen könnten. Und doch verschiebst Du den Start immer wieder. Die Wartezeit wird immer länger, jedes Mal, wenn Du beginnen möchtest, findest Du andere Gründe, um es nicht zu tun.

Das oft verwendete Fachwort heißt hier Prokrastination, zu deutsch: Aufschieberitis. Sie muss nicht immer damit zu tun haben, dass Dir bei einem Projekt unwohl ist. Sicher, das kann ein Grund sein. Doch ich erlebe im Coaching und in Gesprächen auch, dass Menschen wirklich Lust auf ein Projekt haben – und genau deshalb auf den perfekten Moment warten.

Wenn Du auf den perfekten Moment, die perfekten Startbedingungen wartest, stehst Du Dir selbst im Weg. Eine Entscheidung kannst Du so nicht treffen.

Schaffe den perfekten Moment

Etwas provokativ könnte ich auch sagen: „Der perfekte Moment ist genau jetzt. Jederzeit.“ Das klingt zwar etwas seltsam, trifft aber den Kern. Denn Du gestaltest den Moment und sorgst durch Deine Handlungen und Vorbereitungen dafür, dass der Moment perfekt ist.

Perfekt bedeutet natürlich nicht, dass alle Bedingungen optimal sind. Es wird immer Aspekte geben, die nicht passen oder besser sein könnten. Doch der perfekte Moment ist der, in dem Du Dich entscheidest und Deinen Weg, Dein Projekt angehst.

Hier kommt einer meiner wichtigsten und liebsten Sinnsprüche zur Geltung. Mit ihm verbindet mich eine Hassliebe, denn einerseits weiß ich, wie richtig und wichtig er ist und orientiere mich genau deshalb an ihm. Andererseits geht er mir in manchen Phasen gewaltig auf die Nerven und kommt mir völlig irreal und weltfremd vor. Der Sinnspruch lautet:

Tu was Du kannst, mit dem was Du hast, da wo Du gerade bist.

Wenn es überhaupt ein Erfolgsgeheimnis gibt – ich bin kein Fan von aufgebauschten Pseudo-Geheimnissen – ist es für mich dieses. Tu immer, was Du in genau diesem Augenblick mit Deinen Möglichkeiten tun kannst. Ist das perfekt? Ganz sicher nicht! In drei Monaten, ein oder zwei Jahren, wirst Du es vermutlich besser können, mehr tun und weiterkommen.

Doch das darf Dich nicht davon abhalten, loszulaufen und zu starten! Denn wenn Du das nicht tust, werden die drei Monate, die ein oder zwei Jahre, trotzdem vergehen. Nur Du bleibst dann stehen, entwickelst Dich nicht, wächst nicht, triffst keine Entscheidung. Doch genau darum geht es: Dich weiterzuentwickeln, Deine Möglichkeiten auszuschöpfen und den für Dich richtigen Weg zu gehen. Deine Entscheidungen heute, hier und jetzt zu treffen.

Warte nicht auf den perfekten Moment, schaffe ihn. Tu was Du kannst, mit dem was Du hast, da wo Du gerade bist. Dann ist der Moment perfekt.

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