Introvertierte Menschen verstehen: Ein Blick hinter die Fassade

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Das typische Bild, dass Menschen von Introvertierten haben, sieht in etwa so aus: Jemand der selten auffällt, sich an Diskussionsrunden kaum beteiligt und eher einen zurückgezogenen Eindruck macht.

Aber warum besteht das Bild von Introvertierten stets aus negativen Eindrücken? Menschen neigen leider oft dazu, ihre Meinungen oberflächlich zu bilden. So wird eine ruhige und zurückhaltende Haltung gleich als gefühlskalt und desinteressiert ausgelegt.

Schade. Auch wenn wir in einer für Extrovertierte optimalen Welt leben, sollte viel öfter ein Blick hinter die Fassade eines Introvertierten gewagt werden. Denn hier steckt Potenzial und es gibt genügend Gründe, warum introvertierte Menschen genau so gute Arbeit leisten wie ihr extrovertiertes Pendant.

Vorurteile über Introvertierte

Introvertierte Menschen müssen sich mit einer Reihe von Missverständnissen herumschlagen. Viele ihrer Eigenschaften fördern falsche Interpretationen. Wie in vielen Dingen des Lebens steckt hinter einem Verhalten aber weitaus mehr, als es den Anschein hat. Es reicht also nicht, nur die Oberfläche anzuschauen.

Anbei die 5 größten Vorurteile gegenüber introvertierten Menschen, wie sie die Karrierebibel darstellt:

  1. Introvertierte sind schüchtern: Schüchternheit und Introversion werden gerne synonym verwendet. Dabei haben sie wenig miteinander zu tun. Unter Schüchternheit versteht man die Ängstlichkeit eines Menschen beim Anknüpfen zwischenmenschlicher Beziehungen. Introversion beschränkt sich nicht auf soziale Komponenten, sondern ist eine Präferenz für die innere Welt.
  2. Introvertierte reden nicht gerne: Ja, man tut sich schwer mit Small Talk. Und man redet nicht gerne über Dinge, mit denen man sich nicht auskennt. Es sieht aber anders aus, wenn Introvertierte über Themen reden, die sie interessieren. Solche Gespräche können dann durchaus länger andauern –  vor allem mit Freunden.
  3. Introvertierte sind passiv: Man hält sich in Gruppen meist zurück und überlässt anderen das Wort. Introvertierte wirken in solchen Fällen nach außen hin verschlossen, selbst wenn sie aktiv werden möchten. Gutes Beispiel: Meetings. Es kommt aber immer auf die Ausgangssituation an und in welcher Rolle man an dem Gespräch teilnehmen. In der richtigen Rolle, wirkt man zielorientiert und sagt das, was man zu sagen hat.
  4. Introvertierte sind unfreundlich: Durch eine zurückhaltende Art werden Introvertierte als unfreundlich oder unhöflich wahrgenommen. Das liegt daran, dass sie gerne schnell zum Thema kommen und auf Small Talk und Höflichkeitsfloskeln gern verzichten. Das hat nichts mit Unfreundlichkeit zu tun, man möchte nur unangenehme Situationen vermeiden.
  5. Introvertierte sind unsozial: Ja, man braucht viel Zeit für sich allein und ist oft mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt. Das bedeutet aber nicht, dass Introvertierte keine Menschen mögen. Man hat einfach nur einen viel kleineren Freundeskreis, denn es wird genau darauf geachtet, mit wem man seine Zeit verbringt.

Definition: Introversion

Bereits an den Vorurteilen lässt sich erkennen, dass der Begriff „Introversion“ in vielen Fällen falsch verstanden wird: Man denkt an schüchterne, ängstliche und verschlossene Menschen.

„Introversion“ ist das Gegenteil zur Extraversion. Introvertierte Menschen wenden ihre Aufmerksamkeit und Energie stärker auf ihr Innenleben.

Laut Jennifer B. Kahnweiler

  • … denken Introvertierte erst und sprechen später.
  • … fokussieren sie sich auf Tiefe. Gründliche Analysen und tief gehende Gespräche zu führen, steht für sie eher im Mittelpunkt.
  • … strahlen introvertierte Menschen besonders in Krisen Ruhe aus. Auch in solchen Situationen bleiben sie gründlich und gewissenhaft.
  • … bevorzugen sie das geschriebene Wort statt dem gesprochenen. Schrift hilft dabei, Gedanken exakter zu formulieren.
  • … mögen Introvertierte die Einsamkeit. Allerdings nicht dauerhaft. Aber solche Auszeiten helfen, Energie aufzuladen, Klarheit zu schaffen und Gedanken zu verarbeiten.

Ich glaube nicht, dass diese Eigenschaften im Job ein Handicap bedeuten. Ja, man ist nach innen gerichtet und interpretiert die Umwelt durch die eigenen Gedanken. Das Einzige, das darunter leiden kann, ist das Entscheidungstempo.

Die Denkweise introvertierter Menschen

Die komplexe Denkweise introvertierter Menschen.

Positive Eigenschaften introvertierter Menschen

Man mag es kaum glaube, aber introvertierte Menschen besitzen auch Eigenschaften, die fürs Leben und den Job positiv sind.

Introvertierte können gut zuhören

Zu einer guten Unterhaltung gehören immer zwei Parteien: Einen Sender und einen Empfänger. Heutzutage ist es normal, sich auch in Small Talks übertreffen zu wollen. Verständlich: Jeder redet gerne über sich selbst. Anders bei Introvertierten: Sie sind hervorragende Zuhörer. Nicht nur Kopfnicker, sondern Gesprächsteilnehmer, die ihr Gegenüber verstehen wollen.

Introvertierte können sich gut in andere Leute hineinversetzen

Aufgrund ihrer Beobachtungsgabe können sich introvertierte Menschen gut in andere Leute hineinversetzen. Da sie ihre Emotionen für sich behalten, sind ihre Beobachtungen stets sachlich und nüchtern. Gefühlsausbrüche sind bei Introvertierten nicht an der Tagesordnung. Ein Vorteil in der so schnelllebigen Bürowelt.

Introvertierte können gut planen

Planung ist introvertierten Menschen besonders wichtig. Denn unordentliches Chaos ist sein Erzfeind. Mit Ordnung können sie besser denken, leben und arbeiten. Auch optimale Teamarbeit setzt sich zusammen aus einer gesunden Mischung von Chaos und Planung.

Introvertierte sind verantwortungsbewusst

Dinge, die der Introvertierte verspricht, die hält er auch. Und so lässt er seinen Worten Taten folgen. Aus diesem Grund erledigen introvertierte Menschen ihre Aufgaben gewissenhaft. Man kann sich auf Introvertierte verlassen, besonders dann, wenn sie ein Versprechen gegeben haben.

Introvertierte sind konstruktive Kritiker

Kritik kann eigentlich niemand leiden. Insbesondere dann, wenn sie nicht konstruktiv sind. Introvertierte Menschen hinterfragen vor allem die neuen Dinge. Nicht aus der Angst vor allem Neuen, sondern um sie auf Herz und Nieren zu prüfen. Damit soll die Neuerung besser gemacht werden – und nicht kaputt.

Die Auseinandersetzung mit Introvertierten zeigt: Wer hinter die Fassade blickt, entdeckt unter Umständen eine interessante Persönlichkeit. Wer noch mehr über die Talente und Fähigkeiten von introvertierten Menschen erfahren möchte, sollte sich den TED Talk von Susan Cain anschauen:

Introvertierte und der Erfolg im Arbeitsleben

Introvertierte Menschen drängen sich nicht in den Mittelpunkt. Ihre Aufgaben erledigen sie ohne großes Gerede. Da sie auf Lobgesang verzichten, könnte es so wirken, als ob sie weniger Erfolg ernten als Extrovertierte.

Doch ein genauer Blick verrät das Gegenteil: Introvertierte Menschen arbeiten immer konzentriert und lassen sich nicht zu einer Entscheidung drängen. Sie sind sich ihrer Schwächen bewusst und damit auch ihrer Stärken. Da sie meist einen konkreten und wohlüberlebten Plan haben, können sie ihre Ziele klarer vor Augen haben.

Diese Arbeitsweise macht Introvertierte zu starken Mitarbeitern und sind ebenso wie Extrovertierte ein Gewinn für jedes Unternehmen. Man muss nur wissen, wie sie zu lesen sind und mit ihnen umzugehen ist.

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