Kennst Du Deine Stärke(n)?

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„Kennst Du Deine Stärken?“ – Wenn ich im Coaching diese Frage, meist in Sie-Form, stelle, ernte ich oft genervte Blicke. „Natürlich kenne ich meine Stärken. Ich vergesse sie nur laufend.“ ist eine der häufigsten Antworten, die ich dann bekomme. Natürlich frage ich dann nach und stelle oft fest: Viele Menschen verwechseln Fähigkeiten mit Stärken.

Frage ich dann weiter: „Welche Stärken hast Du?“ erhalte ich Antworten wie:

  • „Ich kann Probleme schnell lösen.“
  • „Ich bin sehr gut organisiert.“
  • „Ich kann komplexe Themen hervorragend erklären.“

All diese Antworten klingen erstmal gut, beantworten jedoch nicht meine Frage. Denn hier handelt es sich um Fähigkeiten und Wirkungen von Stärken, nicht die Stärken selbst.

Erkenne Deine Stärken an ihre Wirkungen


Stärken sind für mich so ähnlich wie Kräfte in der Physik. (Alle Physiker mögen mir den leicht hinkenden Vergleich bitte verzeihen.) Kräfte lassen sich nur an ihrer Wirkung erkennen. Stärken ebenfalls. Die genannten Antworten beschreiben Auswirkungen von Fähigkeiten.

An einzelnen Wirkungen kannst Du Deine Stärken zwar nicht eindeutig erkennen. Kombinierst Du jedoch mehrere Wirkungen und Symptome, kannst Du daraus Deine Stärken ableiten.

„Ich kann Probleme gut lösen.“

Diese Wirkung weist meiner Erfahrung nach auf gleich mehrere Stärken hin. Einerseits kann dahinter eine hohe Auffassungsgabe stehen, die Dich in die Lage versetzt, Probleme schnell zu erfassen. Andererseits kann können hier auch Stärken wie Empathie, Toleranz und rhetorisches Talent eine Rolle spielen. Um Konflikte zu lösen sind sie oft nötig.

„Ich bin sehr gut organisiert.“

Die gute Selbstorganisation kann ebenfalls Ausdruck mehrerer Stärken sein. Dazu können sowohl stark ausgeprägtes logisches Denken und eine hohe Arbeitsmoral als auch Selbstdisziplin und hohe Motivation zählen. Vielleicht kannst Du auch Prozesse sehr klar erfassen und umfangreiche Datensätze strukturieren. Möglicherweise weist Deine gute Selbstorganisation jedoch auch auf eine grundlegende Gelassenheit hin, mit der Du auch im größten Chaos noch ruhig bleiben und alles strukturiert angehen kannst.

„Ich kann komplexe Themen hervorragend erklären.“

Diese Eigenschaft weist aus meiner Sicht unter anderem auf die bereits erwähnte hohe Auffassungsgabe hin. Dazu kommt jedoch eine didaktische Begabung, mit der Du die komplexen Sachverhalte aufbereiten und vermitteln kannst. Diese Fähigkeit kann ebenso ein Hinweis auf ausgeprägte Geduld und tief gehendes Verständnis für andere sein. Wenn Du auf mehrfache Nachfragen ruhig reagieren kannst, ist das sogar ziemlich sicher.

Was ist Deine Stärke?

Nein, das ist keine Wiederholung. Ich frage hier bewusst in der Einzahl. Deine Stärke ist die Kombination aller Stärken, also die eine Stärke, die Dich ausmacht und kennzeichnet. Johnny Häusler, Mit-Initiatior der re:publica Konferenz, beschreibt in einem Artikel für die Brand Eins wunderbar, wie seine Freunde auf diese Frage reagieren. Die Antwort lautet hier schlussendlich:

Doch im Großen und Ganzen konnte und kann ich mich auf eine Fähigkeit verlassen: Ich kann machen. Nicht alles. Nicht wahllos.

Aber sobald ich etwas tun will, sobald mich eine Leidenschaft für ein Thema oder Vorhaben gepackt hat, lege ich los. Ich setze Ideen in die Tat um. Egal ob ich mich schon gut damit auskenne oder nicht, egal ob mir Menschen davon abraten, egal wie die Chancen auf Erfolg stehen.

Warum ist Deine eine, prägende Stärke so wichtig? Weil Sie, das erlebe ich in vielen Coaching-Prozesssen, Deine Berufswahl und Deine Entscheidungen nachhaltig beeinflussen und prägen kann und wird. Bei den drei Beispielen oben könnte die prägende und maßgebliche Stärke sein, dass Du anderen Menschen Wissen vermitteln und sie befähigen, ihnen helfen willst und kannst.

Es könnte jedoch auch sein, dass Du Konflikte schlichten und Probleme entschärfen und lösen kannst.

Wenn Du durch Deine Fähigkeiten auf Deine Stärken kommst, kannst Du von dort aus auch Deine eine, prägende Stärke erkennen. Diese ist dann der Leitfaden Deiner Lebenskarriere. Sie ist entscheidend für Themen wie die Berufswahl, das Personal Branding, die Wahl von Hobbys, ja sogar die Wahl des Partners. Sie prägt Dich. Daher schließe ich mit dieser Frage;

Kennst Du Deine Stärke?

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