Mehr Disziplin: Diese Frage macht’s möglich

Mehr Disziplin
“Disziplin ist, den Erfolg von morgen der Versuchung heute vorzuziehen.” – Dieses Zitat, den Autor kenne ich leider nicht, begleitet mich seit ich meinen Umbau von fett zu fit begonnen habe. Für Themen wie abnehmen, Training und ähnliche ist seine Bedeutung offensichtlich. Doch seine Wirkung kann weit darüber hinaus gehen – wenn Du das Zitat mit einer Frage koppelst.

Mir ist klar, das Disziplin ein Wort ist, das sehr unterschiedliche Reaktionen auslöst. Manche verbinden es mit negativen Begriffen wie Einschränkung, Selbstkasteiung, Entbehrung und ähnlich unangenehmen Worten. Andere – dazu zähle ich mich auch – sehen darin einen der Eckpfeiler für Erfolg und eine hohe Lebensqualität.

Gehe ich vom Zitat oben aus, ist Disziplin im Grunde eine reine Kosten-Nutzen-Abwägung. Vereinfacht formuliert: “Was kostet mit dieses Verhalten morgen?”. Diese Frage ist mir persönlich – und vielen meiner Coachees – jedoch zu negativ formuliert. Bewährt hat sich allerdings eine Frage, mit der Du Deine Disziplin – bei konsequenter Anwendung – enorm steigern kannst:

”Wie bringt mich das meinem Ziel näher?”

Die Frage klingt für viele vermutlich, als würde sie direkt aus einem der vielen Selbsthilfe- und Tschagga-du-kannst-das-Motivationsratgeber stammen. Ich gebe zu, das könnte sie. Doch wenn Du sie ernst nimmst und Dir ihre Bedeutung bewusst machst, wird sie zum Motor und zum roten Faden Deiner Disziplin.

”Wie bringt mich das meinem Ziel näher?”

Diese Frage zieht eine ganze Menge anderer Fragen nach sich und zwingt Dich dazu, einige Voraussetzungen zu schaffen. Nur wenn diese gegeben sind, kannst Du sie ernsthaft und überzeugend beantworten.

”Wie bringt mich das meinem Ziel näher?” fragt auch danach, ob…

  • … Du Deine Ziele kennst. Kannst Du sie in klare Worte fassen oder gibst Du Dich mit nebulösen und unkonkreten Formulierungen zufrieden? Mein Tipp: Formuliere Deine Ziele, lang- und kurzfristig, schriftlich und eindeutig. Wenn Du Ziele aufschreibst, befasst Du Dich viel intensiver mit ihnen, als wenn Du nur über sie nachdenkst.
  • … Du den Weg zu Deinem Ziel kennst. Um Deinen Weg zum Ziel wirklich zu kennen, solltest Du Dir sowohl lang- als auch kurzfristige Ziele setzen. Dann kannst Du den Weg zu Deinen Teilzielen planen, Dir konkret vorstellen und die Frage überzeugt beantworten.
  • … Du einen Sinn in Deiner Arbeit und Deiner Tätigkeit siehst. Der Begriff Arbeit bezieht sich hier – wie fast immer auf der Lebenskarriere – nicht nur auf Erwerbsarbeit. Mit Arbeit meine ich auch Aktivitäten im privaten Bereich, Training, Haushalt, Hobbys und all die anderen Aufgaben, in die Du Zeit und Energie steckst.

Diese drei Punkte sollen eines deutlich machen: “Wie bringt mich das meinem Ziel näher?” hinterfragt sowohl Deine Motivation als auch den Sinn Deiner jeweiligen Arbeit und Aufgabe. Natürlich kann es Aufgaben und Tätigkeiten geben, bei denen Du mit: “Gar nicht” antworten könntest. Bevor Du jedoch so eindeutig antwortest, bitte ich Dich, noch etwas weiter zu lesen.

Denn ich behaupte: Viel mehr Aufgaben bringen Dich Deinem Ziel näher, als es auf den ersten Blick scheint.

Hast Du das Gesamtbild im Blick?

Ja, noch eine Frage, doch dieses Mal eher eine Meta-Frage, die zur Reflexion anregen soll. Was ich damit meine zeigt das folgende Beispiel. Es ist eine Kombination meiner Erfahrungen mit verschiedenen Coachees und steht stellvertretend für viele ähnliche Situationen:


Herr K. hat ein klares Ziel vor Augen: In zwei Jahren will er als Berater selbstständig sein. Sein aktueller Job hat zwar peripher mit seiner künftigen Tätigkeit zu tun, doch seine nebenberufliche Arbeit ist für den Aufbau seines Kundenstammes deutlich wichtiger.

Der Plan ist klar, doch Herr K. ist von seinem aktuellen Job immer mehr frustriert und sieht darin immer weniger Sinn. Er zweifelt inzwischen fast jeden Tag am Sinn seiner Arbeit und und verliert die Lust daran. Der Job wird zur Qual.

Im Coaching stelle ich die bewährte Frage: “Wie bringt Sie das (Ihre Arbeit) Ihrem Ziel näher?” Herrn K. antwortet spontan: “Gar nicht. Ich verschwende meine Zeit.” Meine Rückfrage: “Welche Funktion erfüllt Ihr Job denn gerade?” Die Antwort ist leicht: Er finanziert die Sozialversicherungsbeiträge und die Miete. Die nebenberufliche Arbeit deckt aktuell alle weiteren Kosten ab, würde für den kompletten Lebensunterhalt aber noch nicht reichen.

Am Ende der Sitzung sieht Herr K. seinen Job etwas anders. Er ist ein notwendiger Schritt auf dem Weg zu seiner Selbstständigkeit und stellt die Grundlage für seine Entwicklung dar. Mehr Sinn bieten ihm die Aufgaben deshalb nicht, doch im Gesamtbild erfüllen sie eine wichtige Funktion. Begeisterung kommt bei Herrn K. bei seiner Arbeit deshalb zwar nicht auf, doch die Frustration verfliegt.


Herr K. steht stellvertretend für mehrere meiner Coachees, denen es sehr ähnlich erging. Im Lauf Deiner Lebenskarriere wird es sicher Aufgaben und Tätigkeiten geben, in denen Du keinen Sinn siehst und die Dich frustrieren. Es kann sein, dass diese Tätigkeiten tatsächlich sinnlos sind.

Dann gibt es zwei Möglichkeiten:

  1. Wenn Du die Aufgaben ohne große Probleme aufgeben und Dich von Ihnen trennen kannst, ist das vermutlich der beste Schritt.
  2. Wenn Du die Aufgaben nicht aufgeben kannst, suche nach ihrem Sinn im Gesamtbild und im (langfristigen) Rahmen Deiner Lebenskarriere.

Du wirst oft – nicht immer – einen Sinn in scheinbar sinnlosen Aufgaben finden. Das ändert die Situation und Aufgabe zwar nicht, macht es für Dich jedoch einfacher, motiviert und diszipliniert dran zu bleiben und Deine Lebenskarriere weiter zu entwickeln.

Wenn Dir das nächste Mal Disziplin fehlen sollte oder Du keinen Sinn in Deinem Tun siehst, hilft Dir vielleicht diese Frage weiter:

Wie bringt mich das meinem Ziel näher?

2 Comments

  • Hallo Christian,

    vielen dank für Deinen Artikel, dem ich weitestgehen zu stimme. Eines jedoch wird in meinen Augen ein wenig durcheinander geworfen. Nämlich die Begriffe Sinn und Funktion. Der Job von Herrn K. mag vielleicht eine Funktion haben, nämlich durch das Gehalt den Kühlschrank füllen. Das bedeutet aber noch nicht, dass der Job von Herrn K. auch einen Sinn erfüllt.

    In jedem Fall aber, bietet deine Frage zur Dispziplin eine tolle Möglichkeit, sein eigenes Handeln und den eigenen Handlungsspielraum kritisch zu hinterfragen. Danke dafür!

    Viele Grüße
    Michael

    • Hallo Michael,

      Danke für deinen Kommentar. Zu deiner Anmerkung: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Dinge oder Aktivitäten, die eine Funktione erfüllen, dadurch auch einen Sinn erhalten.

      Im Beispiel sorgt die erkannte Funktion dafür, dass Herr K. einen Sinn in seiner Arbeit sieht. Dieser besteht nicht in der direkten Wirkung seiner Arbeit – da stimme ich dir zu – sondern ensteht im Kontext von Herrn K.s Plan und Lebenskarriere.

      Gruß,
      Christian

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