Perspektive MINT? Tipps für die intuitive Studienwahl

Intuitive StudienwahlMINT – dieser Begriff fliegt regelmäßig durch verschiedene Artikel in on- und offline Magazinen, Blogs, Zeitungen und Diskussionen. Er findet sich immer im Bildungskontext wieder – und ist durchaus umstritten. Unter dem Titel „Perspektive MINT? Chancen für Studenten“ hat das MINT-Magazin vor kurzem eine Blogparade ausgerufen, an der ich mich heute beteilige. Mit – wie Du vermutlich schon ahnst – einem etwas anderem Ansatz.

Doch zunächst zum Begriff MINT, bei dem es sich um ein Initialwort aus Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik handelt. Es geht also um Studiengänge und -fächer dieser Themenbereiche. Diese bieten – da stimme ich dem MINT-Magazin völlig zu – Studenten und Absolventen hervorragende Chance und Zukunftsaussichten.

Vor allem im Süden Deutschlands – konkret in Baden-Württemberg und rund um meinen Wohnort Stuttgart – sind MINT-Fächer und Abschlüsse heiß begehrt. Klingt nach einem guten Grund, sich ein Studium in diesem Bereich zu suchen – und sollte doch nicht der Hauptfaktor sein.


Wenn Du Deinen Studiengang nur aufgrund der Zukunftsperspektiven und Jobaussichten wählst, begehst Du einen schweren Fehler.

Studienwahl: Viel mehr als Jobchancen

Wer mich und meine Artikel auf sozial-pr und der Karrierebibel etwas länger verfolgt, wird sich jetzt vielleicht wundern. Denn natürlich habe ich in verschiedenen Artikeln zur Studienwahl auch auf die Bedeutung der Berufsaussichten als Wahlkriterium hingewiesen.

Doch in all meinen Artikel ist es weder das einzige noch das wichtigste Argument für einen Studiengang. Und das hat gute Gründe:

  • Ein Studium dauert drei, vier, fünf oder mehr Jahre. Niemand kann Dir seriös sagen, wie die Arbeitsmarktlage und Deine Jobchancen dann wirklich stehen werden.
  • Deine Jobchancen werden wahrlich nicht nur von Deinem Studienabschluss, sondern von zahlreichen Faktoren bestimmt.
  • Wenn Du einen Studiengang nur wegen der Berufsaussichten und einem möglicherweise hohen Verdienst angehst, ignorierst Du Deine Leidenschaft und Fähigkeiten meist völlig.
  • Ich bezweifle stark, dass die scheinbar guten Berufsaussichten Dich als Hauptmotivation durch die gesamten Jahre des Studiums tragen werden.

Neu ist diese Ansicht sicherlich nicht, doch nach wie vor lassen sich zu viele angehende Studenten von den scheinbar hervorragenden Berufsaussichten zu Studiengängen verleiten, die ihnen im Grunde gar nicht liegen. Ebenso häufig werden sie von Eltern, Freunden oder anderen Einflüssen Ihres Umfelds dazu gedrängt, solche Studiengänge anzutreten.

Intuitive Studienwahl: Keine Entscheidung frei Schnauze!

Ich plädiere hingegen für die intuitive Studienwahl, bei der Du als angehender Student sowohl Deine Erfahrung, Interessen und Fähigkeiten, als auch alle verfügbaren Fakten als Entscheidungsgrundlage nutzt. Diese Beschreibung zeigt schon, das intuitiv nicht mit „frei Schnauze“ gleichzusetzen ist. Eine Sorge, die mir beim Thema Studienwahl vor allem bei Eltern und engagierten Professoren regelmäßig begegnet.

Ja, intuitiv bedeutet auch auf den Bauch zu hören und emotional zu entscheiden. Auch. Doch eine verlässliche Intuition lässt sich meiner Meinung und Erfahrung nach nur auf Grundlage einer umfangreichen Wissensbasis bilden.

Konkret kann der Prozess der intuitiven Studienwahl so aussehen:

  1. Du informierst Dich allgemein über Studiengänge, die Dich inhaltlich interessieren und die – ja, es spielt eine Rolle – Dir beruflich interessante Perspektiven bieten.
  2. Du befasst Dich näher mit den verschiedenen Studiengängen und findest Deine zwei bis drei Favoriten.
  3. Du machst Dir Deine Interessen und Stärken bewusst und stellst für Dich eine ganz persönliche Rangliste Deiner Interessen auf.
  4. Wenn Du Dich umfassend informiert und die potenziellen Studiengänge mit Deinen Interessen abgeglichen hast, lässt Du schlussendlich Deinen Bauch über den richtigen Weg entscheiden.

Das mag für manche nach einem Glücksspiel klingen, ist jedoch das genaue Gegenteil. Denn wenn Du Deine Intuition zur Geltung kommen lässt, kannst Du Wissen und Erfahrungen nutzen, auf die Du bewusst im konkreten Moment gar nicht zugreifen kannst.

Abschließend komme ich noch mal auf die Ausgangsfrage der Blogparade zurück: „Perspektive MINT?“ Meine Antwort: Ja, MINT-Studiengänge bieten gute Perspektiven – wenn sie denn zu Dir und Deinen Fähigkeiten passen. Bist Du jedoch in völlig anderen Bereichen begabt, sind MINT-Studiengänge für Dich vielleicht der falsche Weg. Das solltest Du ganz persönlich und intuitiv entscheiden.

Disclaimer: Ich schreibe – neben anderen Seiten – auch für das MINT-Magazin. An der Blogparade nehme ich jedoch nur teil, weil mich das Thema inspiriert hat und ich es wichtig finde.

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