Sei es dir selbst wert, loszulassen

ReiseWegSchritt
Vor kurzem las ich bei der geschätzen Kollegin und Freundin Annette Schwindt ihren Artikel „Verabschieden lernen“. Darin beschreibt sie sehr treffend, wie schwer loslassen sein kann.

Das Zitat, das mich zu diesem Artikel inspiriert, kommt ganz am Schluss:

Jemand hat mir gesagt: „Manchmal öffnet sich eine Tür im Leben, durch die dann vielleicht einige rausgehen, aber es kommen auch neue herein.“
Tut trotzdem weh…

Der Spruch stimmt meiner Erfahrung nach absolut. Wenn Menschen dein Leben verlassen, kommen andere dazu. Am Schmerz des Verlustes und Abschieds ändert das nichts.

Vor allem dann, wenn es – wie Annette beschreibt – keinen richtigen Abschied gibt. Wenn loslassen einseitig ist, sein muss, tut es oft noch mehr weh, als wenn es ein einvernehmliche Ende gibt.

Loslassen solltest du dir wert sein

Der Zusammenhang zwischen loslassen und Selbstwert mag auf den ersten Blick nicht klar sein. Dafür ist er meiner Erfahrung nach umso spürbarer und wichtiger.

Auch Annette beschreibt, wie sehr es belasten kann, wenn loslassen einfach nicht gelingen will.

Loslassen kann sich manchmal so anfühlen, als würdest du den Menschen, um den es geht, einfach wegwerfen oder aufgeben. Doch das ist nicht der Fall. Wenn du bewusst loslässt und dich entscheidest – ob aus eigenem Antrieb oder aufgrund externer Faktoren – einen Abschnitt abzuschließen, wirfst du niemanden weg.

Bewusstes loslassen und beenden ist eine Frage des Selbstschutzes, des Selbstwertes und des Respekts gegenüber anderen Menschen. Denn wenn du jemanden loslassen musst, passen eure Lebenswege und -vorstellungen einfach nicht mehr zusammen. Es wäre dann unfair, den Menschen mit aller Macht in deinem Leben zu halten – sowohl dir selbst als auch ihm gegenüber.

Denn wenn ganz objektiv betrachtet, würdest du …

  • … versuchen, einen Menschen einen in deinem Leben zu halten, der nicht mehr hinein passt.
  • … ihn ausbremsen und – unbeabsichtigt – daran hindern, seinen Weg zu gehen.
  • … dir selbst Steine in den Weg legen und dich in deinem Weg bremsen.
  • … euch beiden nicht gut tun und eine emotionale Bürde auferlegen.

Das ist kein Vorwurf. Mir geht es nur darum deutlich zu machen, dass loslassen in deinem eigenem und dem Interesse des anderen Menschen ist. Auch wenn er oder sie das in der konkreten Situation vermutlich nicht so sieht.

Loslassen kann gelingen

Loslassen wird vielleicht nie einfach sein, kann jedoch gelingen. Im Folgenden fasse ich sowohl eigene Erfahrungen als auch die meiner Coachees zum loslassen zusammen. Nicht jeder Ansatz wird für dich funktionieren, das ist auch nicht Sinn der Sache.

Und ein Patentrezept findest du auch nicht in der Liste. Doch du bekommst Anregungen, die dir den Umgang mit loslassen vielleicht erleichtern können.

  1. Mache dir bewusst, warum du loslässt. Macht es das loslassen einfacher? Nein. Aber das Bewusstsein für die Gründe kann dir die Kraft geben, den letzten Schritt zu tun und endlich loszulassen. Tut dann immer noch weh, ist aber wenigstens getan.
  2. Frage dich, was du dadurch gewinnst. Kleiner Hinweis: Wenn du bei dieser Frage merkst, dass du nichts gewinnst, ist loslassen vielleicht der falsche Schritt. Wenn loslassen jedoch angesagt ist, wirst du dadurch auch gewinnen, und wenn es „nur“ innere Ruhe und Erleichterung ist.
  3. Verlierst du dadurch wirklich? Die Antwort auf diese Frage lautet spontan oft: Ja, ich verliere einen wichtigen Menschen. Doch ist das wirklich so? Wenn du dir über loslassen Gedanken machst, hat sich der Mensch dann nicht längst verändert? Verlierst du vielleicht nur das lieb gewonnene Bild eines Menschen, das schon lange nicht mehr zur Person passt?

Mir persönlich helfen auch meine Morgenseiten und das Schreiben von Hand, um mich mit solchen Fragen und Entscheidungen zu befassen und sie für mich zu klären.

Schlussendlich läuft es für mich auf eines hinaus: Wenn du nicht loslässt, werden dich Menschen, die nicht mehr zu deinem Leben passen, lange belasten, dich Energie kosten und beiden Seiten schaden. Loslassen mag daher schwer sein, ist jedoch sowohl für dich als auch den anderen Menschen die beste Entscheidung. Und die solltest du dir selbst wert sein.

Ich freue mich, wenn du deine persönlichen Tipps zum Umgang mit loslassen in den Kommentaren teilst.

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