Selbstwahrnehmung: Weißt Du, wer Du bist?

Selbstwahrnehmung
„Weißt Du, wer Du bist?“ – Die Frage klingt vermutlich seltsam. Natürlich weißt Du, wer Du bist. Schließlich stehst Du jeden Morgen auf und gehst jeden neuen Tag in dem Wissen um Deine Persönlichkeit, Deine Wünsche, Deine Ziele und Deine Aufgaben an.

Doch ist das wirklich so? „Weißt Du, wer Du bist?“ ist eine der häufigsten und wichtigsten Fragen im Rahmen meines Lebenskarriere-Coachings. Und damit das hier nicht nach erhobenem Zeigefinger klingt: Ich stelle sie mir auch regelmäßig – und habe nicht immer eine passende Antwort darauf.

Die folgenden Zeilen gelten also ebenso mir selbst wir Dir, lieber Leser. Das Thema steht schon lange auf meiner Liste, den Impuls für diesen Artikel hat mir dann das folgende Video von Gary Vaynerchuck gegeben.

Sein Video zeigt, dass Selbstwahrnehmung ganz und gar nichts mit Esoterik oder eine transzendentalen Selbsterfahrung zu tun haben muss. Ich definiere Selbstwahrnehmung so:

Selbstwahrnehmung bedeutet, sich selbst mit allen Stärken, Schwächen und Eigenschaften zu kennen. Sie resultiert sowohl aus einem achtsamen Umgang mit sich selbst, als auch aus der Breitschaft zur und der Umsetzung aktiver Selbstreflexion.

Selbstwahrnehmung: Lerne Dich selbst kennen

Eine ausgeprägte Selbstwahrnehmung kann ein zweischneidiges Schwert sein. Einerseits ist sie – mehr dazu gleich – eines der wichtigsten Werkzeuge und eine ganz zentrale Eigenschaft Deiner Entwicklung und Lebenskarriere.

Andererseits kann sie jedoch zu einer zu selbstkritischen Haltung und schlussendlich zu Selbstzweifeln führen. Eine kritische Reflexion und Prüfung des eigenen Verhaltens ist zwar gut und wünschenswert. Wird sie jedoch übertrieben, kann sie Dich ausbremsen und dich lähmen. Im Englischen gibt es dafür das Sprichwort:

Paralysis by analysis.

Das ständige hinterfragen und kritisieren Deiner Entscheidungen, Handlungen und Optionen kann zu einem echten Problem werden.

Gehst Du Deine Selbstwahrnehmung jedoch mit Augenmaß an, ist sie für Deine Entwicklung und (Lebens)Karriere unschätzbar wichtig. Gary Vaynerchuck sagt im obigen Video an einer Stelle:

Selfawareness requires understanding both and choosing wich path you want to go.

Mit „both“ sind Stärken und Schwächen gemeint! Es geht nicht darum, Dich nur auf Deine Schwächen zu konzentrieren. Genau so wenig bringt es Dich weiter, Dich rein auf Deine Stärken zu konzentrieren und Deine Schwächen auszublenden.

Echter, nachhaltiger Optimismus und eine positive Grundhaltung entstehen nicht aus Schönreden oder der rosa roten Brille. Sie sind die Folge einer achtsamen Selbstwahrnehmung, eines hohen Bewusstseins für die eigenen Stärken, Ecken und Kanten und einer klaren Entscheidung für die positive Sichtweise.

Eine achtsame und ernsthafte Selbstwahrnehmung besteht für mich aus vier Faktoren:

  1. Stetiger Selbstreflexion und Selbstanalyse
  2. Umfangreichem Wissen um die eigene Persönlichkeit mit allen Facetten
  3. Einer klaren Entscheidung aufgrund dieses Wissens
  4. Konkreten Handlungen und Grundsätzen, die auf diese Entscheidung folgen

Ja, das geht über die reine Selbstwahrnehmung in ihrer Grunddefinition hinaus – und gehört für mich gerade deshalb dazu. Denn Selbstwahrnehmung ist nur dann hilfreich und nützlich, wenn sie sich in Taten niederschlägt.

Reines Wissen, reine Reflexion bringt Dich keinen Zentimeter weiter.

Selbstwahrnehmung schulen

Selbstwahrnehmung lässt sich – wie Achtsamkeit – schulen und trainieren. Dafür gibt es natürlich dutzende, wenn nicht gar hunderte Methoden. Als Einstieg empfehle ich jedoch drei alltagstaugliche Methoden, die jeder integrieren und regelmäßig umsetzen kann.

Regelmäßigkeit ist der Schlüssel zu einer ausgeprägten Selbstwahrnehmung. Nur wenn Du kontinuierlich daran arbeitest, kannst Du sie entwickeln, nutzen und ausbauen. Meine drei präferierten Methoden:

  1. Gespräche nutzen

    Im Alltag hast Du zahlreiche Gespräche mit Freunden, Familie, Kollegen, Chefs und anderen Menschen. Nutze diese, in dem Du aktiv zuhörst und Feedback zu Deiner Person – auch wenn es nur am Rande kommt – aufnimmst. Hüte Dich jedoch davor, Dinge zu hören, die nicht da sind. Wenn Du Dir in irgendeinem Punkt nicht sicher bist, frage höflich nach.

  2. Tagebuch führen

    Ich habe es schon mehrfach erwähnt und viel meiner Coachees können es bald nicht mehr hören: Führe regelmäßig – idealerweise täglich – Tagebuch. Durch das Schreiben, was Du schreibst, liegt ganz bei Dir, kannst Du Deine Gedanken ordnen. Wenn Du die Einträge dann am nächsten Tag liest, kannst Du einiges über Dich lernen.

  3. Schwächen leben

    Jeder tut gerne die Dinge, in denen er oder sie gut und bei denen der Erfolg (fast) garantiert ist. Das ist menschlich. Um Deine Selbstwahrnehmung auszubauen solltest Du ab und an jedoch bewusst Dinge tun, in denen Du schlecht bist und die mit hoher Wahrscheinlichkeit schief gehen werden. Wenn Du das regelmäßig tust – und schlimme Konsequenzen vermeidest – wirst Du nicht nur besser, Du lernst auch viel über Dich und entwickelst Dich weiter.

Wenn Du diese Methoden regelmäßig (und täglich) anwendest und Dich mit dem Thema Selbstwahrnehmung und Dir selbst befasst, kannst Du die eingangs gestellte Frage ein wenig besser beantworten:

Weißt Du, wer Du bist?

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Bildnachweis: fotovika / 123RF Stockfoto

1 Comment

  • Ein schöner Artikel 🙂 Als nächstes wünsche ich mir einen Text zu diesem (angelehnten) Thema: Wie schaffe ich es mich mehr auf meine Stärken zu besinnen, anstatt mich vor allem auf meine Schwächen zu konzentrieren? Ich frage das nicht für mich, sondern für eine Freundin 😉 Spaß. Ich glaube viele kennen das. Die Frage kommt aber auch oft von Kunden von mir, und ich glaube es gibt keine Pauschalantwort. Aber deine Gedanken dazu würden mich sehr interessieren.

    Ich glaube, dass ich ziemlich self aware bin – aber nicht unbedingt mit dem richtigen Fokus 😉 Teil 1 ist also „Wie lerne ich mich selbst besser kennen“ (darüber hast du hier geschrieben) und Teil 2 wäre für mich das Thema „Wie gehe ich mit diesen Selbsterkenntnissen um“. Viele Grüße, Katharina

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