Wäre das wirklich wichtig, wenn…


Ein wichtiger Hinweis vorab: Heute beschreibe ich eine Methode und Frage, die sich für mich und meine Coachees bewährt hat, die jedoch emotional anstrengend ist und belastend sein kann. Wenn Du Dich aktuell emotional und psychisch nicht stabil fühlst oder bereits stark belastet bist, solltest Du weder den Artikel lesen noch die Methoden ausprobieren.

Das Telefon klingelt, ein Kunde meldet sich mit Sonderwünschen. Das Finanzamt fordert eine Steuernachzahlung, die S-Bahn ist mal wieder verspätet, Menschen sind bei Temperaturen über 30 Grad gereizt und aggressiv und ein sicher geglaubtes Projekt wird auf unbestimmte Zeit verschoben.

Kennst Du solche Tage? Tage an denen einfach alles schief geht, nichts funktioniert und sich die ganze Welt – scheinbar – gegen Dich verschworen hat? Vermutlich ja, wir alle haben solche Tage früher oder später.

Verhindern lässt sich das nicht wirklich, denn hier kommen meist viele externe Ereignisse und Faktoren zusammen, die Du und ich nicht beeinflussen können.

Doch wir können beeinflussen, wie wir mit solchen Tagen und Ereignissen umgehen. Vor kurzem habe ich den Ausschnitt einer Rede von Steve Jobs gefunden, der mich augenblicklich elektrisiert hat. Und das ist nicht übertrieben.

Hier seine Aussage aus dem Video sinngemäß übersetzt:

Die letzten 32 Jahre habe ich jeden Morgen in den Spiegel gesehen und mich gefragt: Wenn das der letzte Tag meines Lebens wäre, würde ich tun, was ich heute tun? Wenn die Antwort zu oft in Folge nein war, wusste ich, dass ich etwas ändern musste.

Was ist wirklich wichtig?

Der erste Teil von Steve Jobs Aussage klingt nach einem Klischee. “Was würdest Du tun, wenn heute Dein letzter Tag wäre? Es ist eine Frage, die häufig in verschiedenen Varianten gestellt wird. Sie ist wichtig, oft jedoch auch abstrakt.

Ich nutze für mich und meine Coachees inzwischen eine andere Frage. Sie lautet:

Wäre das gerade auch dann noch wichtig, wenn heute einer Deiner geliebten Menschen erkranken würde oder einen Unfall hätte?

Der eigene Tod ist abstrakt und wird von vielen Menschen verdrängt. Doch die Vorstellung, ein nahe stehender und geliebter Mensch könnte krank sein oder verunglücken ist greifbar. Die meisten von uns haben einen solchen Fall zumindest ansatzweise schon erlebt.

Auch wenn es seltsam klingt: Um in Stressphasen und scheinbaren Katastrophen und Tälern zur Ruhe zu kommen und Fokus zu finden, ist diese Frage hervorragend geeignet.

Wenn Du ihre volle Wirkung nutzen willst, nimm Dir einen kurzen Moment Zeit, und visualisiere den Moment, in dem Dein Handy klingelt und Du die Nachricht vom Unfall des geliebten Menschen erhältst.

Schon beim Schreiben dieser Zeilen spüre ich den Effekt und habe einen leichten Kloß im Hals. Es wirkt seltsam, sich so etwas bewusst vor zu stellen.

Doch es ist die einfachste, schnellste und praktikabelste Art die ich kenne, um Ereignisse und Probleme einzuordnen und realistisch zu bewerten.

Sicher gibt es große Probleme im Job, in Projekten, im Studium und so weiter. Doch wären die auch dann noch relevant und wichtig, wenn Du die oben genannte Nachricht bekommen würdest?

Würde das, was Dich in diesem Augenblick so belastet und vereinnahmt, Dich dann auch noch so stressen? Oder würden sich Deine Prioritäten massiv verändern und das aktuelle Problem sehr viel kleiner werden?

Die Frage ändert nichts an Deinem Problem und der Situation. Doch sie hilft Dir vielleicht dabei, Ruhe und Fokus zu finden.

2 Comments

  • Heidi sagt:

    Toller Gedanke/nansatz, wenn auch sicher nicht immer so einfach ist, sich der Frage zu stellen.
    Als mein Sohn vor 3 Jahren mit immensen Anfangsschwierigkeiten auf die Welt kam, war es genau jene Frage, die mein Leben – und mich – veränderte.
    Die ersten Wochen war er auf der Intensivstation und mit jedem Tag, der verging wurden andere „Probleme“ kleiner. Dinge (und darunter zähle / zählte auch meine frühere Arbeitsstelle mit Mordsgehalt), die ich schätze oder zu schätzen glaubte, wurden immer nichtiger. Aus Problemen, wegen denen man sich so manche Nacht um die Ohren schlug, wurden Problemchen, die warten können.
    Damals habe ich – für mich – niedergeschrieben, was wirklich wichtig ist: Gesundheit und Glück.
    Und es ist, wie du sagst: Man verliert sich schnell im Alltag, grübelt hier und da – und setzt vielleicht den Fokus „falsch“. Wobei ich das nicht so pauschal sagen würde. Man setzt den Fokus auf etwas, was einem vielleicht in der Situation, in der man sich befindet, als immens wichtig betrachtet, weil man aus den Augen verliert, was wirklich wichtig ist.
    Ich versuche seitdem mein Leben zu ändern, was nicht immer leicht ist und mich auch viel Überwindung kostet (Den Job aufzugeben war z.B. „trotzdem“ sehr schlimm für mich). Aber, was ich mir auch immer wieder sage: „Man klotzt und buckelt, setzt seine Gesundheit aufs Spiel, um viel Geld zu scheffeln oder Anerkennung zu bekommen.
    Aber, wenn man dann ernsthaft krank wird, würde man alles Geld der Welt zahlen, um wieder gesund zu werden.“

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