Warum ich für meine Probleme dankbar bin


Ein Hinweis vorab: Ich will Probleme keinesfalls klein reden. Bitte wirf dazu einen Blick auf die letzte Zwischenüberschrift und den folgenden Text am Ende des Artikels.

„Danke, dass ich diese Probleme haben darf.“ – Diesen Satz schreibe ich regelmäßig in meine Morgenseiten und spreche ihn ebenso regelmäßig in meinen Gebeten aus. Er klingt seltsam und es ist noch gar nicht so lange her, dass ich ihn für etwas absurd gehalten hätte. Glücklicherweise hat sich meine Haltung geändert.

Was genau der Auslöser dafür war, kann ich heute nicht mehr sagen. Fakt ist jedoch: Mit der neuen Haltung geht es mir viel besser und ich komme auch in schwierigen Zeiten schneller zu einer gelassenen Haltung zurück, als früher.

Probleme machen (mich) dankbar

Warum machen Probleme – die meisten, nicht alle – mich heute dankbar? Weil ich sie nutze um Ereignisse in Perspektive zu setzen.

Während meines dualen Studiums durfte ich einige Zeit im Hospiz arbeiten. Die Menschen dort konzentrieren sich auf die für sie wichtigen Dinge, sie haben schlicht keine Zeit mehr, um Kleinigkeiten zu übertreiben.

Die sprichwörtliche Mücke bleibt hier eine Mücke und wird kein Elefant.

Wenn ich heute Probleme habe, sind 80 – 90 Prozent davon Luxusprobleme. Das gilt auch für Probleme, die für mich Stress bedeuten und manchmal Angst auslösen.

Und dieser Aspekt ist mir wichtig: Probleme können im großen Kontext betrachtet Luxusprobleme und gleichzeitig individuell extrem schwerwiegend und belastend sein. Das schließt sich nicht aus, denn die Schwere von Problemen hängt immer von ihrem Kontext ab. Drei Beispiele:

  1. Meine geliebten Menschen sind gesund, doch das Finanzamt meldet sich mit Nachforderungen? Ein Luxusproblem und dennoch stressig und belastend, zumindest potenziell.
  2. Meine Arbeit macht mir Spaß, doch sie häuft sich einige Wochen lang extrem? Ein Luxusproblem – manchen Menschen macht ihre Arbeit keinen Spaß oder sie haben keine Arbeit – dennoch wird es für mich anstrengend.
  3. Ich darf mit tollen Kunden an spannenden Projekten arbeiten, doch ein Pitch – oder eine Bewerbung – geht schief? Ein Luxusproblem, dennoch enttäuschend und möglicherweise schmerzhaft.

All diese Probleme sind in der konkreten Situation anstrengend und sehr real. Dich wenn einer meiner geliebten Menschen einen Unfall hat – ich schrieb bereits über meinen ungewöhnlichen Ansatz , mir das vorzustellen – treten diese Probleme in dem Hintergrund.

So nutzt Du Probleme als Impuls für Dankbarkeit

Ich persönlich nehmen mir heute bei neu aufkommenden Problemen ganz bewusst die Zeit, um daraus Impulse für mehr Dankbarkeit zu machen. Dazu reicht mir eine Frage:

Warum habe ich dieses Problem?

Sicher, manchmal lautet die Antwort „eigene Dummheit“ doch oft sind sie nur deshalb möglich, weil es mir unglaublich gut geht und ich so viele wunderbare Möglichkeiten habe.

Mach Deine Probleme nicht klein

Ein Hinweis ist mir abschließend wichtig: Ich schreibe oben bewusst, dass 80 – 90 Prozent meiner Probleme in die Kategorie Luxusproblem fallen und mir als Impuls zur Dankbarkeit dienen.

Das bedeutet auch: Es gibt Probleme, die vielleicht zur Achtsamkeit anregen können, jedoch immer schwer wiegen und weh tun. Wenn geliebte Menschen krank sind, Lebensträume – zumindest scheinbar – zerplatzen, die gesamte Zukunft auf dem Spiel steht… die Liste ist lang.

Bitte nimm diese Artikel nicht als Aufforderung, diese Probleme, deine Probleme, klein zu machen. Nicht immer machen Probleme dankbar, manchmal machen sie einfach hilflos und wütend.

Lass diese Emotionen zu – und prüfe dann, was du tun kannst. Auch wenn es wenig scheint: Tu es. Was dir selbst klein vorkommt, kann für andere die Welt bedeuten. Ich wünsche Dir in solchen Situationen viel Kraft.

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